Mindset Sport

Um in Form zu bleiben und für den Einsatz und die Alltäglichen Aufgaben fit zu sein muss man trainieren. Sport gehört also zur unumgänglichen Pflicht eines jeden Soldaten.

Man unterscheidet natürlich zwischen verschiedenen Sportaktivitäten und deren Wirkung auf den Körper. Als Soldat ist es wichtig eine richtige Balance zwischen den einzelnen Aktivitäten zu finden, gleichmäßig und vielseitig zu trainieren und auf ein gesundes Training zu achten! (siehe Gesunderhaltung)

Besonders letzteres stellt meist im Militär ein größeres Problem dar – ein richtiges Mindset ist essenziell!

Laufen kurz nach dem Essen, Unaufgewärmt Höchstleistungen erbringen, zu viel Gewicht im Rucksack, über den physischen Schmerz hinaus trainieren, nicht vorhandene Regenerationsphasen, Nährstoffmangel…….all das führt früher oder später zu Schäden am Körper.

Natürlich wird man Schlafentzug ausgesetzt sein, man kann nicht immer voll aufgewärmt Höchstleistungen bringen und nicht vorhandene Regenerationsphasen und ein Mangel an Nährstoffen bestimmen (besonders in Auswahlverfahren) den Alltag. Aber eine Höllenwoche dauert meist nicht länger als eine Woche und ein Auswahlkurs nicht länger als 6-8 Wochen oder mal 3 Monate.

Ebenso ist klar, dass Rucksackmärsche mit viel Gepäck den Rücken nicht heilen – das ist eben der Beruf und den Preis den man zu zahlen hat.

Im Laufe der Zeit und nach dem Motto „Learning by doing“ habe ich so manchen Fehler gemacht. Folgende Grundsätze sollen einige dieser Fehler vermeiden.

1. Falsch verstandene Härte

Man gilt als besonders hart Schmerz zu widerstehen, mit Schmerzen klarzukommen und diese zu „beherrschen“. Unter Schmerz wird ein anatomischer Schmerz (Verletzung) verstanden – nicht der fehlende Wille oder „Pseudo-Schmerzen“. Hier gilt es abzuwägen, wie stark der Schmerz ist, ob dieser wirklich vorhanden ist und man sich ihn nicht nur einbildet, was eventuell geschädigt ist und wie schnell und gut die Behandlungsmöglichkeiten sind.

Wer den anatomischen Schmerz länger unterdrückt schädigt sich selbst. Das ist hart, aber dumm. (Und im schlimmsten Fall besteht man das Auswahlverfahren zum Kommandosoldaten nicht und holt sich eine Dauerschädigung, die einen nicht mehr tauglich für entsprechende Verwendung macht)

Man sollte aber keine Einweg-Leistungs-Soldaten auswählen, sondern auf eine nachhaltige und konstante Leistungsfähigkeit setzen. Der Spruch „Broken bones are better than gun shot wounds“ gilt nur für den Einsatz – nicht aber fürs Training.

2. Übertraining und Regeneration

Wer länger trainiert muss nicht zwangsläufig besser trainiert sein. Hier zählt Qualität statt Quantität.

Wer im Fitnessstudio 2-3 Stunden herum zappelt und nach 45min keine Lust mehr hat, der Trainingsplan für Brust und Trizeps aber pro Muskelpartie 5 Übungen vorsieht, der wird sich zum einen den Spaß am Training nehmen und nicht schneller voran kommen.

Selbiges gilt beim Laufen. 30km pro Tag zu Laufen, sind als Marathonläufer im Trainingsprogramm sicherlich angebracht – nicht aber wenn man vielseitig Trainieren möchte. Schlüsselwort: Intervallläufe, Bergläufe, Rucksackläufe – und ab und an ein langer Lauf.

Direkt im Zusammenhang dazu steht die Regeneration. Man muss den Muskeln Zeit geben sich zu reparieren.

3. Aufwärmen, Konzentrieren – Verletzungsrisiko senken

Wir gehen mit unserem Auto vorsichtiger um, als mit unserem eigenen Körper.

Minus 15 Grad – das Auto wird langsam warmgefahren und das Gaspedal nicht sofort Richtung Ölwanne getreten.

Warum laufen wir dann aber kurz nach dem Essen oder Aufstehen unaufgewärmt und erwarten dieselbe Leistung zu bringen, wie sonst auch?

Deshalb aufwärmen (und das ist in 90% möglich). Die Muskeln, Bänder und Gelenke warm machen und auf die Belastung vorbereiten.

Ich habe nichts gegen militärische Härte – Drillausbildungen, Mitternächtliche Alarme, Sport als „Bestrafungsmethode“ für Fehler – man darf aber was gegen Ausbilder haben, die einen vor dem Kompaniejoggen nicht aufwärmen lassen oder die meinen Rekrut A. darf seine Neutralschuhe nicht tragen, weil das das Gesamtbild stört.

Man bricht sich keine Zacke aus der Krone 30 Extra-Liegestütze zu machen. Aber auf das Recht auf passendes Schuhwerk und Aufwärmen darf und muss man pochen!

Neben Aufwärmen sollte man darauf achten konzentriert zu sein. Im Fitnessraum sauber ausgeführte Bewegungen, beim Laufen Scannen des Untergrunds und eine sauberes und festes Auftreten. Besonders die Außenbänder des Fußgelenks werden es danken!

4. Übertreiben und Grenzen

Um an einen Leistungsgrenze zu gelangen (oder sie zu überschreiten) muss man es nicht übertreiben. Leistungsgrenzen kann man auch ohne großes Verletzungsrisiko finden. (Liegestütze mit Schutzweste bis es nicht mehr geht – danach Schutzweste ablegen und weitermachen – danach Frauenliegestützen)

Beliebt fürs Übertreiben ist die HiBa (Hindernisbahn). Ziel sollte es sein alle Hindernisse technisch sauber zu überwinden (und damit die Verletzungsgefahr auf einem Minimum zu halten) und möglichst zügig zu überwinden. Die Grenzerfahrung kommt (je nach Beladung) nach dem 2-3-4-5 Mal beim Überwinden der HiBa.

Übertreiben, Übertraining, falsch verstandene Härte und Konzentration hängen klar miteinander zusammen.

Deshalb immer einen klaren Kopf bewahren, abwägen und sich seiner Sache sicher sein. Wenn beim dritten Mal HiBa die Luft weg ist und man nur noch ins Ziel stolpert sind Sprints, Liegestütze, Situps oder Klimmzüge völlig ausreichend um sich an seine Grenze zu tasten und diese zu überschreiten.

Oder wie wär´s mit Kopfarbeit?!

5. Ernährung

Eine gesunde und vielfältige Ernährung ist die halbe Miete.

Auch wenn die 10% Bundeswehrrabatt bei Burger King locken – Fast-Food-Fraß reduzieren.

Die Truppenküche ist zwar auch ab und an mit Vorsicht zu genießen (besonders was die Soßen betrifft) aber hier findet man für wenig Geld eine vielfältige Auswahl. Gute Salate, Vollkornbrot, Vegetarische Essen, verschiedenste Gerichte, Rohkost und Obst.

Um die Soßen anzusprechen: Da schwimmen meist Tonnen an Aromastoffen, Stabilisatoren und sonstiger Schwerchemie herum. Haushalten, um den Appetit nicht zu verlieren.

Einfache Tricks:  Salatsoße aus Öl, Essig, Salz und Pfeffer einfach selbst machen. Reis oder Kartoffeln statt Pommes. Vollkornbrot statt Weißbrot bzw. mischen. Weniger Soße zum Gericht verlangen. Früchte statt Obstgarten oder Schokopudding.

Und für zwischendurch oder am Abend: Einkaufen gehen, selbst kochen. Und wenn es nur Hüttenkäse mit Tomaten, Senf und Vollkornbrot ist. (Kostet 1,20 Euro und ist in 60 Sekunden gemacht)

6. Ausrüstung und Arzt

Eine passende Ausrüstung ist unumgänglich, um erfolgreich und nachhaltig Sport zu betreiben.

Der Dienstherr stellt einem grundsätzlich die Ausrüstung. Dass die sexy Joggingshorts nicht jedermanns Geschmack ist, ist verständlich. LHBW bietet gute Laufkleidung an – wer es günstiger will schlägt bei Tchibo, Aldi und Co zu. Selbiges gilt natürlich bei jeder anderen Sportart. (Sportbekleidung muss in erster Linie bequem sein – Aussehen und Funktionalität sind nebensächlich)

Beim Laufschuh sind Britten und Amerikaner meiner Erfahrung nach weiter. Sie haben Neutral und Pronationsschuhe im Angebot. Hier heißt es selbst in den Laufsportladen gehen und seinen Schuh finden/finden lassen. 120 Euro für 1000km entsprechen 12 Cent pro Kilometer – im Anbetracht dessen, wie viel man für Müll ausgibt, mehr als hinnehmbar.

Selbiges gilt natürlich bei anderen Sportarten (Basketball, Fußball, etc.)

Es wird sich trotz aller Vorsicht und Vorsorge nicht vermeiden lassen irgendwann doch umzuknöcheln oder sich anderweitig zu verletzten.

Neben der Akutbehandlung (PECH-Regel etc.) wird man entweder feststellen, dass es ein unbedeutender Kratzer ist – oder zum Arzt gehen, wenn auch nach mehreren Tagen keine Besserung eintritt. (Das Vollstopfen mit Pillen und Zukleistern mit Salben ist kein Arztersatz oder ein probater Handlungsansatz – Auch Voltaren hat Nebenwirkungen und die Leber dankt es. Spritzen bekämpfen im Übrigen auch nur Symptome und nicht die Ursache des Problems. Der Körper hat eine oft unterschätze Selbstheilungskraft – man muss ihn nur lassen.)

Sehr beliebt ist heutzutage dank Internet auch die Selbstdiagnose von Bandscheibenvorfällen, Kreuzbandrissen oder Hirntumoren. Verschont euren Arzt und Physiotherapeuten mit solchen Diagnosen (außer ihr kennt ihn persönlich) – lasst euch aber die Funktion und die Anatomie erläutern.

Auch hier setzt Scham ein – wir kennen das Innenleben unseres Autos besser als unser eigenes. (Gegenmaßnahme: Google Body oder ein gutes Anatomiebuch)

Es kann hier am Truppenarzt scheitern (die Spritze sitzt bei so manchem locker im Holster) – dann bittet um eine Überweisung an einen Sportarzt oder Orthopäden. Gute und passende Ärzte findet man dank Google und Krankenversicherungsplattformen heutzutage ohne Probleme!

7. Körper

Zu guter letzt zum wichtigsten: Dem Körper – Eurem Körper

Den sollte man nicht nur pflegen sondern ihn auch akzeptieren, wie er ist. Das hört sich etwas Strange an, man wird aber nicht drum herum kommen.

Man hat Fehler und damit kommt man erstaunlich gut klar. Die Musterung hat wenig Aussagekraft auf die spätere Leistungsfähigkeit und ob guter oder schlechter Soldat. (Es gibt Blinde Extrembergsteiger – die von beinamputierten bergsportler geführt werden, es gibt beinamputierte Läufer, es gibt einarmige Biathleten – X-Beine werden einen also beim Laufen mit entsprechender Korrektur kaum einschränken!) Es zählt nicht was man hat, sondern was man draus macht. Natürlich sollte man T1 oder T2 sein, um entsprechenden Eignungswunsch ausführen zu können. Aber auch hier sei gesagt, dass die Sprungtauglichkeit auch nachträglich erworben werden kann und viele Spezialisten über Umwege in ihr Aufgabenfeld gelangt sind. Es gibt genug T1 Körper mit einem T5 Kopf oben drauf….

Eine Fehlstellung lässt sich dank moderner Technik und erfahrenen Orthopäden und Physiotherapeuten schnell identifizieren und entsprechende Gegenmaßnahmen können getroffen werden. Der Körper hilft sich auch hier recht gut selbst indem er das anatomische Ungleichgewicht durch z.B. Muskeln ausgleicht. Weitere Gegenmaßnahmen Nr. 1: Muskulatur aufbauen (besonders die Stabilisierende) Nr. 2: eventuell Einlagen und Physiotherapie.

Einzig nichts tun könnte zu Problemen führen, da sich ein kleiner Fehler im Laufe der Jahre fortsetzen kann Beinverkürzung -> Schiefe Hüfte – Torsion der Wirbelsäule -> Rückenschmerzen, Halsschmerzen bis hin zu Nierenschmerzen und Organproblemen. Der Körper ist ein System zusammengesetzt aus vielen kleinen Bausteinen, die einander beeinflussen.

Der Körper ist keine Maschine, die man nach belieben an- und abschaltet – er ist 24h/7d/70-90a am Arbeiten.  Außerdem gibt es kaum Ersatzteile. Man kann aber behaupten, dass er robust und bei entsprechendem Training und Pflege extrem widerstandsfähig und zäh ist. Er ist unser wertvollstes Gut. In Zeiten einer Konsumgesellschaft nicht immer leicht zu vermitteln…

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die richtige Einstellung (Mindset) auch im Sport wichtig ist. Wir haben gesehen, dass es eine Vielzahl an alltäglichen Beispielen gibt, in denen wir nicht sonderlich sorgsam mit uns umgehen (lassen). Es sollte Aufgabe eines jeden sein oben angesprochene Punkte grundsätzlich umzusetzen und auch andere (Vorgesetzte) darauf hinzuweisen. Ein Militärischer Führer, Ausbilder und Vorgesetzter tut gut daran seinen Soldaten die Grundsätze beizubringen – dafür muss man nicht erst in den Sportleiterlehrgang gehen.

Falsch Verstandene Härte, unkrontrolliertes Überschreiten von Grenzen oder Intoleranz und Unwissendheit schaden – in vielerlei Hinsicht.

Der Menschliche Körper kann viel mehr leisten, als man ihm zutraut – man muss aber auch entsprechende Rahmenbedingungen für eben diese Höchstleistungen schaffen – und dafür Sorge tragen, dass diese keine Einmalige Sache bleiben.

Habt Spaß am Sport!

copyright by paragreen

6 Gedanken zu “Mindset Sport

    • In Soßen sind Stabilisatoren, Aromen, Glutamate etc. enthalten, da es sich meist um Fertigsoßen handelt.
      Deshalb wenig Soßen oder gar keine. Würzen mit bedacht.

      Beim Salat würde ich zu Essig, Öl, Salz und Pfeffer greifen. Das Dressing ist meist auch nicht natürlich gewonnen sondern besteht aus Aromen und viel Chemie.

      Fragt einfach bei der Küchen-Crew nach 😉

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