Moral, Ethik und necessary evil – Teil 1 – „Alles ist relativ“

530119_504410132906890_2090458351_n

Dies ist eine mehrteilige Serie zum Thema „Mindset“ und behandelt Moral, Ethik, Notwendiges Übel (necessary evil) und den ewigen Kampf zwischen „Gut“ und „Böse“.

Ziel ist es Denkanstöße für eine stabile, fundierte und nachhaltige Moral und Ethik zu geben – besonders im Soldatenberuf (aber auch vielen anderen Berufsgruppen!) spielt dies eine wichtige wenn nicht alles entscheidende Rolle.

Es handelt sich hierbei um eine Sicht der Dinge – Diskussionen, Kritik und Fragen sind somit gerne gesehen.

Ich warne an dieser Stelle ausdrücklich – wer nicht bereit ist sein Handeln, sein Ich, seine Weltansicht kritisch zu hinterfragen sollte hier aufhören zu lesen – es kann für labile Persönlichkeiten schlicht gefährlich werden.

Warum der Artikel? Weil wir für jede Handlung in diesem Leben Verantwortung übernehmen müssen – vor Gericht, in einem möglichen nächsten Leben, Gott/Allah/Jehove/etc., vor unserer Familie – letztendlich immer vor unserem Gewissen. Bis auf eine verschwindend geringe Anzahl hat jeder Mensch ein Gewissen, dass er niemals belügen kann. Kognitive Dissonanz. (der verschwindend kleine Teil der Menschen, die kein Gewissen haben, hat ein viel Grundlegenderes, bemitleidenswerteres Problem)

Wir müssen also Verantwortung übernehmen – Beim Autofahren, im Gespräch mit anderen, beim Tippen des Facebook Status, etc.

Vielleicht müllen uns unsere Mitmenschen in Facebook deshalb mit völlig unwichtigen Informationen zu, weil sie keine Verantwortung für sinnvolle, wichtige Informationen übernehmen wollen? Aber auch das „Nichts tun“ bedeutet Verantwortung übernehmen.

Im Soldatenberuf ist das unmittelbar richtige Handeln von großer Bedeutung. Ein gutes Moralisches und Ethisches Grundgerüst gibt uns Handlunssicherheit und Kontrolle – natürlich bleibt immer ein mehr oder weniger großer Leerraum. Zudem ist es nur so wirklich möglich volle Verantwortung zu übernehmen und rationale Entscheidungen zu treffen.

Wer meint, dass jeder Insurgent ein Böser Mensch ist, der getötet werden muss, lebt leider hinter dem Mond und sollte sich die Gegenfrage stellen: Bin nicht vielleicht ich ein Böser Mensch und der Insurgent der Gute? Meist stellt das die „Soldaten“ vor unlösbare Denkprozesse und sie bleiben lieber bei „ihrer Meinung“. Menschen haben sich seit ihrer Existenz über andere erhoben – uns sich mit Kind und Kegel untergegangen.

Schwarz – Weiß; Licht und Schatten, Gut und Böse, Richtig und Falsch.

Schon seit eh und je kennen wir Gegensätze und wissen bereits als Kind diese relativ genau zu definieren. Wo kein Licht ist, da ist Schatten (Dunkelheit). Wenn etwas nicht richtig ist, dann ist es falsch.

Angeblich kämpfen wir seit unserer Geburt (vielleicht schon früher?!) den ewigen kamf zwischen „Gut“ und „Böse“ – aber dazu an anderer Stelle mehr.

De facto ist der Mensch nicht in der Lage Dinge, die er nicht erschaffen hat, absolut ohne jede Relation zu bschreiben oder zu betrachten. Alles ist eine Sache des Blickwinkels und damit relativ.

Durch Normen, Definitionen und Gesellschaftlicher Moral versucht der Mensch sein seiner Existenz seine Umwelt irgendwie zu begreifen, zu kategorisieren, einen Sinn zu geben und zu beherrschen.

Ein einfaches Beispiel: Die Farbe Rot ist normiert, es gibt dennoch laut RAL-Farbsystem 33 verschiedene Rot Farben. RAL 3000 bis RAL 3033. Jeder Mensch sieht die Farbe Rot dennoch irgendwie anders. Das Rot der Person A ist etwas „rötlicher“ als das Rot der Person B. Jeder nimmt die Farbe Rot anders wahr, die Definition der Farbe Rot ist somit zwar eine genau, aber eben nur eine sehr relative.

Ein anderes Beispiel: Person A findet Person X schüchtern. Person B findet X nicht schüchtern sondern lediglich zurückhaltender. Sowohl A als auch B haben andere Blickwinkel, andere Vorraussetzungen und Definitionen von dem Wort „schüchtern“ und „zurückhaltend“. Person A mag sehr extrovertiert sein, Person B ist selbst sehr introvertiert. Die Sichtweise beider ist relativ!

Alles ist relativ!

Unweigerlich kommt jetzt die Begrifflichkeit „Toleranz“ ins Spiel. Soll ich meine Ansichten aufgeben, mich komplett aus der Rechnung streichen, meine Standpunkt vergessen! Nein!

Es geht (noch) nicht ums Handeln. Es geht rein um die Akzeptanz, dass alles relativ ist, es verschiedene Blickwinkel und Standpunkte gibt. Die Akzeptanz verschafft uns erst einen neutralen Überblick (wobei der – sie ahnen es – wieder relativ ist). Wir Menschen sind wie gesagt dazu verflucht Dinge nicht absolut sehen zu dürfen.

Sich einzugestehen, dass alles was andere sehen und man selbst sieht nur relativ ist, ist der erste und vielleicht wichtigste Schritt.
Im zweiten Teil sehen wir uns die Umsetzung in die Realität an.

copyright by paragreen

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.