Teamarbeit – Mindset

TEAM – Toll ein anderer machts ….. Oft belächelt, leider wahr.

Wenn ein Einzelner 100kg hebt, sollte man meinen, dass zwei gemeinsam 200kg heben. Leider nein.

Bild: Team X-TREME „Tough Mudder“ – unbedingt anschauen!

Dieser Artikel soll versuchen das Individual-Team-Mindset etwas beleuchten, über Fehler aufklären und vorallem Lösungen liefern, um das operieren in welcher Teamgröße auch immer effektiv, effizient und nachhaltiger zu gestalten.

Im Team arbeiten wir nicht automatisch besser und sind von außen betrachtet effektiver – eher das Gegenteil ist der Fall. Der Grund ist schnell ausfindig gemacht: Es zählt die Gruppenleistung und nicht die des Einzelnen. Wir neigen also eher dazu uns auf ein Mittelmaß einzupendeln und nicht die volle Kraft zu investieren, wo es doch auch mit halber Kraft Richtung Ziel geht. Eine rationale Entscheidung, die viele Vorteile für den Einzelnen bringt. Einzelleistungen – oder eben Fehlleistungen fallen nicht wirklich auf. Das ganze nennt man auch „Social Loafing – soziales Faulenzen“.

Das ist auch der Grund weshalb es bei Auswahlverfahren hauptsächlich bis ausschließlich Einzelleistungen geprüft werden und jeder für sich kämpft und lediglich die Fähigkeit sich in ein Team zu integrieren (und dieses zu führen) getestet wird.

Die Sache mit dem Schwächsten Glied in der Kette ist vorallem im Militär/Law Enforcement gefährlich, da jeder auf den anderen angewiesen ist und 100-prozentiges Vertrauen haben muss. Beim Versagen des schwächsten Glieds, kann dies das ganze Team ins Verderben führen. Versagt die „Surveillance“-Komponente, bringt das das ganze Team und den Auftrag in Gefahr.

Wir lehnen uns unbewusst ins „Soziale Netz“ unseres Teams – solange wir nicht der Schlechteste sind, fallen wir nicht auf und können uns somit kräftesparend im Mittelmaß tummeln. Der Auftrag wird dann schon irgendwie klappen. Ganz nach dem Motto: „50% Aufmerksamkeit Buddy 1 + 50% Aufmerksamkeit Buddy 2 = 100% Aufmerksamkeit Buddyteam = Lückenlose Aufmerksamkeit“. Ein gefährlicher Fehler!

Zudem nimmt in der Gruppe das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen ab, da man der Meinung ist, das Risiko teile sich gleichermaßen unter den Teammitgliedern auf. Ein Trugschluss, denn eine Kugel trifft nicht zu 1/x-tel jedes Teammitglied, sondern jenen, auf den sie abgefeuert wurde. Wir neigen dazu das Risiko möglichst zu eliminieren (was faktisch nicht möglich ist) – in Teamentscheidungen sind wir aber durchaus bereit ein höheres Risiko einzugehen – nicht aus strategisch, taktischen Möglichkeiten, sondern aus der simplen Mathematik.

Möglichkeit von einem Projektil getroffen zu werden:

Alleine: 1,0         Im Buddy-Team: 0,5         In der Rotte: 0,25      usw.

Muss dann die Verantwortung für eine Entscheidung übernommen werden – verstecken wir uns hinter der Gruppenentscheidung.

Und obwohl wir Zweifel an einem Plan hatten, haben wir doch die Klappe gehalten und keine unangenehmen Fragen gestellt. Die anderen waren ja auch dafür und haben nichts gefragt – Gruppenzwang/-denken!

Diese gängigen (und sicherlich grundlegend rationalen oder vom Stammhirn festgelegten) Verhaltensweisen müssen wir überarbeiten, verbessern oder im wahrsten Sinnedes Wortes „überdenken“!

Lösungsansätze:

„Social loafing – soziales Faulenzen

„Gruppendenken“

  • Schaffen des richtigen Mindsets – immer 100% Leistung!

(Auch wenn es nur das Sichern des Rückwärtigen Raums ist – 100% Konzentration, 100% Leistung, auch wenn jemand anderes nur 90% gibt; Z-Scannen des Bereichs/Gebiets, die Augen sind nicht wo die Action ist, sondern im eigenen Sektor; Alle 100% = 100% vs. Fast Alle 100% = 0%; Combat Mindset aufbauen, Abarbeiten des OODA-Loops, Abarbeiten des „Ich – (Buddy) – Team – Auftrag“ – Loops)

  • Vertrauen in die Kameraden gewinnen

(kommt automatisch beim Trainieren/Üben; Kameraden persönlich kennen, Schwächen und Stärken nachfragen, offen Fehler ansprechen und Kritik ebenfalls offen aufnehmen, Individuelles Buddytraining)

  • Individuelle Stärken und Schwächen erkennen

(für Spezialisierungen; es gibt keine „Schwache Seite“ sondern nur eine weniger trainierte (Stichwort: Waffenhandling beidseitig), Gesundheitliche Probleme?, Aufmerksamkeitsdefizit?, Reaktionsfähigkeit?, usw. und daran individuell arbeiten, idealerweise muss JEDER ALLES KÖNNEN, es darf z.B. niemanden geben, der immer als erstes in einen Raum geht)

  • Konstruktive Kritik beim „Mission Planning“, Plan hinterfragen

(auch wenn es der direkte Vorgesetzte ist – hier geht es nicht um rebellieren oder provozieren, sondern um einen Plan A, B, C, … der „alternativlos“ Funktionieren kann und nicht auf Wahrscheinlichkeiten und Verantwortungs-Splitting basiert. Wenn der direkte Vorgesetzte mit Strafen droht oder sich stumpf auf die Hierarchie beruft, anstatt objektiv eine Entscheidung zu begründen, dann ist er keine Kugel Deckungsfeuer wert, weil ihm seine Untergebenen und Kameraden nichts wert sind. MISSION PLANNING, Bug-Out-Planning, After-Action-Reports und Wiederholungsübungen mit Verbesserungen (Rehearse  + Reassessment) sind keine Privilegien für Kommandosoldaten!)

  •  Verantwortung übernehmen

(für sich und das eigene Handeln, den Buddy, das Team; „Würde ich selbe Entscheidung treffen, wenn ich der erste wäre, der in den Raum geht?“, eigene Fehler erkennen und selbst ansprechen und Konsequenzen tragen, um Feedback vom Buddy/Team bitten, man kann Konsequenzen auch im Team tragen – stay together like brothers, Individualtraining bei Defiziten à 100% Beherrschen seiner Aufgaben)

  • Risiken richtig einschätzen und Entscheidungen Objektiv anhand von Tatsachen und nicht Wahrscheinlichkeiten treffen

(objektive Betrachtung von Risiken, keine Emotionen hineinmischen, keine “Kriegsgeschichten“ als Basis für Risiken-Einschätzung hernehmen, das 0%-Risiko gibt es nicht und es ist dumm darauf hin zu arbeiten, weil Zeitverschwendung, Taktik muss Tatsachen entsprechen – nicht Wahrscheinlichkeiten, für Wahrscheinlichkeiten gibt es Plan B bis Z; 80% aller Schussverletzungen sind nicht tödlich, 1er von 15.800 Verkehrsunfällen ist tödlich; die Wahrscheinlichkeit zu sterben beträgt 100%, das Leben ist lebensgefährlich; Balance und eine gesunde Einstellung ist alles, Lebensmüde sind gute Anekdoten – Lebensfrohe sind gute Soldaten; Think positive!; letztendlich ist alles ein relatives Risiko)

 Diese Liste lässt sich natürlich weiter ausführen – über Mitarbeit in Kommentaren zum Beispiel.

TEAM – Together Everyone Achieves More

Dieser Artikel ist den Soldaten gewidmet, die nicht in Eckernförde, Calw oder Pfullendorf mit hart erarbeitetem Sägezahnfisch, Schwert oder Stürzendem Adler stationiert sind und trotzdem das Recht auf eine professionellste Behandlung und moderne Ausbildung haben.

It´s a state of mind…

Quellen:
Team X-T.R.E.M.E.
Paul E. Howe – „Training and Leadership for the fight“
Rolf Dobelli – „Die Kunst des klaren Denkens“
copyright by paragreen

3 Gedanken zu “Teamarbeit – Mindset

  1. Das ist ein saustarkes Foto. Warum haben die Masken auf?

    Der Artikel ist natürlich auch sehr stark, aber die meisten finden es ja einfach Gear zusammenzukaufen als an ihren Fähigkeiten zu arbeiten.

  2. Team Extrem hilft Verwundeten US Soldaten und erfüllt ihnen Träume oder sammelt Geld durch Aktionen, Läufe, etc. und zeigt Verbundenheit.
    Sie tragen Masken, um „sich einzuschränken“, um die Läufe und Aktionen ähnlich wie ein Arm- oder Beinamputierter mit Erschwernis zu bewältigen. Durch die Maske bekommt man schwerer Luft – jeder erzählt gerne harte AGA Geschichten mit ABC-Maske und Overgarment Kasernenrunden drehen….bla bla… – Die Jungs laufen ganze Halbmarathone damit. Zudem sollen die Masken Zusammenhalt und Leidenskraft ausdrücken – alle schauen gleich aus. Auf Gruppenfotos stechen zu aller erst die Beinprotesen, Rollstuhl oder fehlende Arme auf.
    Das Bild entstand bei einem Hindernislauf „Tough Mudder“ bei dem sie einen Kameraden der einen Arm und ein Bein verloren hat, über ein Hindernis helfen. Teamarbeit!

    In Deutschland wächst die Veteranenszene und Unterstützung auch langsam und es gibt Läufe (wie den „Solidaritätslauf“) bei dem für Verwundete Soldaten gesammelt wird.

    Nichts ist unmöglich – man muss nur vergessen, dass es unmöglich ist.

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