Windshirts – Arcteryx Wraith vs. Patagonia Houdini

Leicht, platzsparend, winddicht und wasserabweisend. Das sind Eigenschaften der heutigen Wind Jackets.

Wir haben das „Arcteryx Wraiht Jacket“ und das „Patagonia Houdini Jacket“ genauer unter die Lupe genommen und ausführlich getestet. Natürlich gibt es weitaus mehr Windshirts auf dem Markt. Orc Industry, Boyond Clothing und andere Hersteller bieten ebenfalls hochwertige Produkte für den Militärischen Einsatzbereich an.

beideDas Arcteryx Wraith Jacket stammt aus der LEAF Serie (Law Enforcement, Armed Forces) und ist somit direkt auf die Anforderungen bei Polizei und Militär zugeschnitten. Dies ist unmittelbar in der Farbwahl sichtbar.

Das Patagonia Houdini Jacket ist eher für den zivilen Markt ausgelegt und wird dort im Bereich des Trailrunnings angeboten. Es ist in der Farben „Alpha Green“ (welches wir testen), sowie anderen „Trendfarben“ erhältlich.

Faktenvergleich

Patagonia Houdini Jacket

  • Die RV-Brusttasche dient als Packbeutel und besitzt eine Schlaufe zum Einhängen in einen z.B. Karabiner
  • Mit einem Zug regulierbare Kapuze
  • Zugkordel-Saum
  • Reflex-Logos auf der linken Brustseite und am Nacken
  • 41-g, 10-Denier Ripstop-Gewebe aus 100% Nylon mit Deluge DWR (Durable Water Repellent) Imprägnierung
  • 113 g Gewicht
  • Alpha Green (ansonsten militärisch nicht nutzbare Farben)

Preis: ca. 100 Euro bei Amazon

Arcteryx Wraith Jacket

  • Die RV-Brusttasche dient als Packbeutel und besitzt eine Schlaufe zum Einhängen in einen z.B. Karabiner
  • Regulierbare Kapuze
  • Zugkordel Saum
  • Klettbare Armelverstellung
  • „Gossamera™“—100% Nylon Ripstop mit Imprägnierung
  • 182 g
  • „crocodile“, Multicam, Schneeweiß
  • passende Hose gibts außerdem dazu!

Preis: 165 Euro Listenpreis bzw. 159 Euro bei LEAF-Gear (149 US-Dollar bei Grey Group)

Praxistest

Einen klaren Pluspunkt hat das Wraith Jacket bei der Farbwahl im Militärischen Bereich. Das Alpha Green von Patagonia ist theoretisch überall nutzbar, aber wirklich „tarnen“ tut es nicht. Die reflektierenden Logos sind ein großes No-Go. Abkleben ist eine Möglichkeit. Beim Drunter-ziehen stören diese nicht weiter. Im Zivilen macht das Patagonia wiederum mehr her.

Einen weiteren Pluspunkt sammelt das Wraith Jacket bei der Ärmelverstellung. Diese sind mit Klett verstellbar. Das Patagonia Houdini hat keine Verstell-Möglichkeit sondern einen halbseitig, elastischen Saum. Allerdings sitzt das Jacket erstaunlich gut und dichtet ohne Probleme ab. Beim Joggen kommt Luft in die Jacke, wenn die Arme parallel zum Fahrtwind stehen. Das führte zur leichten Aufblähung des Jackets. Allerdings nicht andauernd und dies störte nicht.

IMG_0073

IMG_0081

Beim Gewicht und Pack-Maß gewinnt das Patagonia Houdini: Kleiner und leichter. Das Arcterys ist minimal schwerer und hat ein ca. 1/3 größeres Packmaß. Die Stautasche und gleichzeitig Innentasche ist sowohl beim Wraith als auch beim Houdini jedes mal an der Brust platziert. Patagonia hat sich für einen Eingriff von oben, Arcteryx für eine Napoleontasche (Eingriff von der Seite) entschieden. Der Seitliche Eingriff ist leichter zu erreichen, aber wenn man sein Smartphone, Schlüssel, Stifte, ein Folder etc. darin unterbringen will, so schneidet das Patagonia beim Tragekomfort besser ab, da die Tasche kleiner ist und das Gewicht direkt an der Schulter/Nacken ansetzt und die Jacke somit nicht nach unten gezogen wird und der Gegenstand in der Tasche lose herumfliegt.

Beide Jacken passen in eine G36 Doppelmagazintasche oder eine Tactical Tailor Horizontale/Vertikale Mehrzwecktasche Klein. Das Houdini Jacket findet sogar in einem G36 Shingle / G36 Einzelmagazintasche Platz.

IMG_0086

Die Verarbeitung ist bei beiden Jacken erwartungsgemäß hoch. Alle Nähte sind sauber und solide, Belastungsstellen entsprechend verstärkt. Patagonia hat die Kordeln einzeln mit Schlaufen eingenäht. Somit kann man diese, im Fall eines Reißens austauschen, ohne die Jacke „anzunähen“. Alle Reißverschlüsse sind von YKK.

Beim verwendeten Nylon Stoff sollte man sich keine allzu großen Hoffnungen der Haltbarkeit und der Atmungsfähigkeit machen.

Der Stoff des Houdini Jackets ist sehr dünn, besitzt eine sehr feine Ripstop Rasterung. Trägt man ein farbiges T-Shirt unter der Jacke, so kann man dieses durchscheinen sehen. Dennoch ist der Stoff abriebfest und auch einfaches Gestrüpp haben ihm nichts anzu können.

Das Wraith Jacket hat einen etwas „dickeren“ Nylon Stoff, so wie es scheint. Die Ripstop-Rasterung ist gröber als beim Houdini. Der Stoff wöhlt sich etwas „Baumwolliger“ an, als der von Patagonia. Auch hier sei gesagt, dass der Stoff einfaches Gestrüpp durchaus aushält.

Bei der Atmungsfähigkeit überrascht einen das Patagonia Houdini Jacket, da dieses wirklich relativ „atmungsaktiv“ ist. 60 min Joggen mit einer Laminat-Jacke bedeutet, dass das Wasser aus der Jacke „fließt“. Dem war nicht so.  Auch das Arcterys Jacket wurde direkt auf der Haut getragen (darüber ein Combat Shirt) und trotz schwitzen, war das Shirt angenehm zu tragen.

Wasserabweisend sind beide Jackets durch die Imprägnierung und dadurch, dass es sich um 100% Nylon handelt. Ich konnte nur mit dem Patagonia Houdini einen wirklichen Regentest machen. Bei 60 min starkem Dauerregen konnte die Jacke die Nässe nicht abhalten. Allerdings war die Bekleidungsschicht darunter nur leicht nass. Die Jacke trocknete bei Zimmertemperatur und einfachem Aufhängen über eine Tasche innerhalb von 20 Minuten größtenteils und war nach 37 Minuten vollständig trocken. Die Jacke war an Schultern und im Brustbereich völlig durchnässt.

IMAG1986

IMAG1994

Man kann die Jacke also durchaus bei einem schnellen Regenschauer oder leichtem Dauerregen anziehen, um vollständig trocken zu bleiben.

Jetzt zum eigentlichen Gebrauch: Dem Windshirt und der Wärmeleistung.

Beide Jacken schnitten dabei exzellent ab. Warum exzellent? Weil man die Jacke direkt auf der Haut tragen kann, sie sich angenehm tragen lässt und einen zuverlässig vor Wind und dem damit verbunden Auskühlen (Wind Chill Effekt) schützt. Exzellent, weil es kaum eine andere Jacke mit entsprechendem Pack-Maß gibt, die so gegen die Elemente schützt.

Das Wraith Jacket war bei minus 5-10 Grad im Einsatz. Kein Statischer Einsatz. Layeraufbau: Baumwoll BW T-shirt, Wraith Jacket, 5.11 Combat Shirt (siehe Review), darüber Plattenträger. Es hielt kontinuierlich warm und schützte vor Wind. Auch bei längerem stehen, stellte sich kein Frieren ein.

Ein weiterer Aufbau: BW Baumwoll T-Shirt, Patagonia R2 Jacket, Wraith Jacket. Auch hier hielt das Wraith Jacket den Wind sehr gut ab. Es wurde durch das R2 Jacket bei viel Bewegung sogar relativ warm darunter, obwohl minus 5-10 Grad und ein kontinuierlicher Wind vorherrschte.

Auch das Patagonia Houdini Jacket erzielte bei gleichem Versuchsaufbau, gleiche Ergebnisse. Zudem kann es ohne Probleme einfach als leichte Sommerjacke über´m T-Shirt getragen werden und ist schnell weggepackt.

Bei der Größe wurde beides Mal die Größe XL gewählt. Die Jacke sollte etwas größer gekauft werden. Wer also normalerweise L träger, sollte Größe XL wählen, da die Jacke erstens zum Drüberziehen ist, also noch zusätzliche Kleidungsschichten darunter müssen. Zum zweiten soll man sich ja auch darin bewegen können und Luft isoliert bekanntlich.

Das Houdini Jacket fällt etwas kleiner aus, als das Wraith Jacket (schön auf den Bildern zu sehen). Wer die Jacke über seinen Plate Carrier anziehen möchte, muss zum Wraith Jacket greifen. Aber die Patagonia kann man durchaus über einen gefüllten Smock anziehen (wurde getestet).

Alles in Allem ist die Entscheidung zwischen den beiden Jacken sehr schwer gefallen. Patagonia wartet mit einer wirklich sehr spartanischen, einfachen Jacke auf. Kein Schnick-Schnack, keine Extras, simpel und einfach. Der Preis ist hoch. Da es sich bei diesem Modell um ein Sonntagsmodell mit einer etwas zu klein geratenen Brusttasche (keine 2cm) handelt, konnte die Jacke für 80 Euro erworben werden.

Das Wraith Jacket von Arcteryx ist in der rein Militärischen Anwendung der kleine Favorite, durch seine militärischen Farben und eine optinale Hose. Der Preis ist sehr hoch – vermutlich zahlt man für jeden Buchstaben des Wortes Arcteryx 5-10 Euro Aufpreis. Wer die Jacke für 100 Euro bekommt, sollte zuschlagen. Das Jacket ist minimal schwerer als das Houdini Jacket von Patagonia. Wer das Shirt über den Plate Carrier ziehen möchte, oder ansonsten auch konstant über Smock etc., der sollte das Wraith Jacket bevorzugen.

Wer das Patagonia für 80 Euro erhält, sollte ebenfalls unbedingt zuschlagen. Zum Drunterziehen ist das Shirt hervorragend geeignet. Dann stört auch die Farbe weniger. Das Packmaß ist kaum zu schlagen. Der Stoff ist meiner subjektiven Einschätzung leicht „innovativer“ als der von Arcteryx. Im Zivilen und Trailrunning Bereich ist das Houdini besser aufgehoben.

Eine klare Empfehlung kann und will ich nicht aussprechen. Der Preis ist jedes Mal zu hoch. Wenn man ihn auf den Nutzwert als Frühlingsjacke, als Windshirt zum drunterziehen, zum Trailrunning oder auch einfach zum schnelle drüber ziehen umrechnet, dann ist er zu verkraften. Die Jacken haben durch ihr unglaublich kleines Pack-Maß und geringes Gewicht, Platz in jeder Beintasche. Außer als Top-Layer im Gestrüpp und beim Wiesen und Wald-Gefechtsdienst, ist die Jacke überall gut zu tragen.
Besonders ans Herz legen möchten wir das Tragen unter dem Combat Shirt mit dem Plate Carrier.

copyright by paragreen

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.